Servus,... nach doch einiger Zeit möchte ich auf die Anfragen und Kritik von dir, Jochen, antworten. Meiner Meinung nach sollte befreiungstheologisches Netzwerk nur ein Arbeitstitel sein, da wie du ja auch schreibst, sich darunter jede und jeder etwas vorstellen kann. Doch in unserem Verständnis sollten wir Probleme, die es mit Konzeptionen von Befreiungstheologie gibt auch ansprechen und uns davon ausgehend überlegen, ob unser Forum oder Netzwerk immer so heissen kann oder wir auch einen neuen Namen finden können. Und gerade der Begriff des Armen kommt denke ich bewusst auch in der Charta nicht vor, da er ein Teil der Kritik an Befreiungstheologie ist. Denn gerade mit dem Aufladen des Begriffes des Armen mit unglaublich vielem theologischen Ballast und gleichzeitig einer bloßen Übernahme des westlichen Gedankenmodells von Theologie, der Sünder wird halt durch der Arme ersetzt wird auch auf die komplexen Wirklichkeiten nicht eingegangen und das Potenzial der Befreiungstheologie auch wieder in unsere Diskurse einzudringen wird verspielt da sonst ständig die alten Schlachten der 70er Jahre ausgetragen werden müssen. Zu der postkolonialen Kritik an Befreiungstheologie hat R.S. Sugirtharaja einiges geschrieben, was sehr interessant zu lesen ist. Nur um sicherzustellen, dass du mich nicht falsch verstehst, das alles heisst nicht, dass es hier jetzt um politische Theologie gehen müsste, sondern durch entsprechende Bausteine in der Charta, wo ja auch die Rede von einer "Option" ist und zudem das Denken von den Rändern und Marginalisierten aus wird denke ich klar gemacht, um was es auch geht, die könnte natürlich auch noch ergänzt werden, durch zum Beispiel eine "Kultur der Armut", doch generell finde ich werden wir deutlicher und auch konsequenter, wenn wir genau diesen Schritt einfach nur von der "Option für die Armen" zu sprechen nicht machen. Schließlich sollte es denke ich auch darum gehen, kreativ neue Worte und Redeweisen zu finden für ein Anliegen, in dem wir uns denke ich grundsätzlich einig sind. Eine inhaltliche Einigkeit schließt jedoch nicht einen produktiven Streit um Begrifflichkeiten aus, weshalb ich mich schon sehr auf eine Antwort und Gegenthese freue,
mit lieben Grüßen
Simon